Das Letzte: Frangela, Lafonknecht und der einsame Rösler

Wenn das verlagseigene Archiv gut gepflegt ist – und daran besteht bei Gruner + Jahr kein Zweifel –, dann tauchte der Begriff „Merkozy“ für das Duo Angela Merkel/Nicolas Sarkozy im Oktober 2011 zum ersten Mal auf und fand seitdem in überregionalen Zeitungen und Zeitschriften 347-mal Verwendung. Das Gegenstück „Sarkel“ tauchte dagegen nur einmal auf – als Feststellung, dass es nirgends auftaucht.

Nun war Sarkozy, falls das Internet gut gepflegt ist – und daran besteht kein Zweifel –, bereits seit 2007 französischer Präsident, und Merkel wurde Kanzlerin im Jahr 2005.

Eine solche Verzögerung der Namensfindung können sich Europa und die Währungsunion nun aber nicht mehr leisten. Wie jedoch sollte das Amalgam für die Führung Europas denn lauten? Merkollande liegt nahe, passt aber nicht in kurze Spaltenüberschriften. Hollerkel spiegelt nicht die in Berlin gewünschte Führungsrollenverteilung wider, außerdem klingt es eklig.

Eine Alternative wäre dann, in Anlehnung an Brangelina, das deutsch-französische Paar Angelois zu nennen, oder, falls das Schachtelwort in französischen Medien erscheinen soll, Frangela. Nicht geklärt wäre allerdings, ob es sich hierbei dann um ein konsekutives Schachtelwort handelt (wobei der eine Wortteil den anderen verursacht), ein charakterisierendes oder ein kontradiktorisches. Zu überlegen wäre zudem, ob das Prinzip der Kofferwortbildung nicht auch innenpolitisch Schule machen sollte. Für die Linke böte sich Lafonknecht an (alternativ, je nach Wahl der Parteispitze: Ostmar oder Bartontaine), für die SPD Steinbriel (Alternativ: Peer-Waltmar) und für die FDP seit Neuestem das Paar Kubickner (Alternativ: Christgang) statt wie bisher ein einsamer Rösler. Nur Angela Merkel bleibt Angela Merkel – in der Spitze der Union gibt es ja keinen anderen mehr.